Geburtsbericht Teil 1

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Da ist er nun: Der lang ersehnte Geburtsbericht.

Wie fängt man an über solch ein Ereignis zu schreiben? Ich habe mir lange Gedanken gemacht. Ich habe mir viele Geburtsberichte angesehen (nur positive!) und konnte so Inspirationen sammeln. Allerdings wollte ich keinen „Film“ abdrehen. Ich habe mir für mich alles protokolliert, damit ich wirklich nichts vergesse. Nun bin ich bereit, diesen eigentlich so privaten Lebensabschnitt zu teilen. 

Vorab – auch wenn ich einiges überstehen musste, denke ich ganz positiv an die Geburt zurück. Vielleicht hilft dieser Blogpost der ein oder anderen Schwangeren weiter. Ich möchte daher etwas weiter ausholen und beginne nicht erst beim Wehenstart.

Der errechnete Geburtstermin war der 25.1.24.

Wenn ich ehrlich sein soll, war ich schon Wochen vorher fix und fertig und sie (wir haben eine wunderschöne Tochter bekommen!) hätte gerne zwei Wochen früher kommen können.

 Ich hatte wirklich keine einfache oder gar schöne Schwangerschaft. Ich durfte einiges mitnehmen: starke Übelkeit mit Erbrechen (Ein Glück, dass es inzwischen Tabletten dafür gibt!), Corona, Verdacht auf einen Nabelbruch wegen starken Schmerzen (war am Ende wohl doch keiner), starke Blutungen und all die üblichen Wehwechen, die man als Schwangere eben so hat. An dieser Stelle eine große Bitte: Spart euch den Spruch „Du bist schwanger, nicht krank“ doch bitte. Denn schwanger sein ist wesentlich anstrengender  als krank sein. Krank bist du für ein paar Tage, schwanger für ein paar MONATE! Und mir persönlich ging es leider keinen Tag wirklich „gut“. Ich habe in der Schwangerschaft insgesamt 16 Kilogramm zugenommen und dieses zusätzliche Gewicht hat mir natürlich ebenfalls sehr zu schaffen gemacht, da ich ganz normal weiter gearbeitet habe und dadurch kaum zur Ruhe kam. Nebenher lief unser Secret Project: wir bauten ein Mehrfamilienhaus. Da wir vor der Geburt noch einziehen wollten, musste ich während mein Mann den Bau leitete, den Umzug vorbereiten.

Wieso erzähle ich das? Weil es einfach zu viel war. BITTE fahrt in der Schwangerschaft runter. Versucht diese aufregende Zeit zu genießen. Arbeitet nicht zu viel, stresst euch nicht zu viel und ruht euch aus, wann immer es geht. Ihr erschafft ein neues Leben und es erfordert so viel Kraft, Energie und mentale Stärke. Wir erschaffen ein Lebewesen. 

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Meine Schwangerschaft machte ich ziemlich spät öffentlich. Wir alle kennen den Grund dafür, wieso man so spät erst drüber redet: Die Angst vor einem Verlust. Es ist schade, dass so selten darüber gesprochen wird. Aber ich kann es verstehen, denn man möchte im schlimmsten Fall nicht mit jedem darüber sprechen. Es gibt sicher viele Frauen, die sich nicht mehr so alleine fühlen würden, würde man das öfter thematisieren.Ich war gerade in SSW 12 als ich am Mac saß und arbeitete. Aus dem Nichts bekam ich starke Blutungen, die nicht mehr aufhörten. Wir fuhren mit großer Angst direkt ins Krankenhaus. Vor lauter Panik klappte vor Ort mein Kreislauf zusammen und ich kam direkt dran. Es wurde ein Ultraschall gemacht – mit dem Baby war zum Glück alles in Ordnung. Aber laut dem Arzt, der nicht wirklich emphatisch war, bestand eine Chance von 50%. Was genau der Grund für die Blutung war, konnte er mir nicht sagen. Ich sollte es einfach so hinnehmen und Magnesium und Progesteron einnehmen. Das war im Juli. Was das erste Krankenhaus nicht sah, das andere aber sofort: ich hatte ein 7 cm großes Hämatom, welches für die Blutungen verantwortlich war. Woher es kam, weiß ich bis heute nicht. Ich möchte aber, dass ihr wisst: nicht jede Blutung bedeutet direkt das Ende. Wie man sieht: Es gab ein Happy End! Das zweite Krankenhaus war auch das, in dem ich letztendlich unsere Tochter zur Welt brachte. 

Die Monate vergingen, aber die Übelkeit blieb. Leider musste ich bis Ende Oktober Tabletten nehmen. Ohne hätte ich den Arbeitsalltag niemals überstanden.

Ich hatte schon relativ früh sogenannte „Braxton Hicks“ Kontraktionen, aber ab Dezember wurden sie immer häufiger und kamen teilweise in 5 Minute Abständen über Stunden. Ich ging die ganze Zeit davon aus, dass die Kleine sich früher auf den Weg machen würde. 
Spoiler: Sie machte es nicht 😀

25.1. – 40+0!

Am Donnerstag, den 25.1. war dann der errechnete Termin und den ganzen Tag über tat sich nichts. Ich spielte noch entspannt zwei Runden UNO mit meinem Sohn und um 18.30 Uhr bekam ich plötzlich Kontraktionen, die sich anders anfühlten. Da meine erste Geburt ein geplanter Kaiserschnitt war, wusste ich gar nicht, wie sich „richtige“ Wehen anfühlen.

Jeder sagt immer „du wirst merken, wenn es losgeht“. 
Jetzt kann ich sagen: Ja, du wirst es definitiv merken 😀

Ich hatte sieben Stunden lang Wehen und dann hörten sie plötzlich auf. Über das Wochenende war es dann komplett ruhig. 

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29.1. – 40+4!

Am Montag, den 29.1. war ich dann schon vier Tage über dem ET und es tat sich wieder nichts – bis 18.30 Uhr. Die Schmerzen wurden intensiver, deswegen legte ich mich von 20.10 Uhr – 20.45 Uhr in die Wanne. Man sagt nämlich, wenn es sich um Senkwehen handelt, kann man sie „wegbaden“. Handelt es sich um richtige Wehen, werden sie intensiver. Eine Besserung war nicht in Sicht. Als ich aus der Wanne rauskam, kamen die Wehen schon in 3-5 Minuten Abständen, allerdings waren sie total aushaltbar. Ab 22.30 Uhr wurde das Baby dann total unruhig im Bauch.

30.1. -40+5!

Dann war auch schon der 30.1. und ich wollte ins Krankenhaus, weil mich diese kurzen Abstände verunsicherten. Wir riefen in unserem Krankenhaus an und dann der Schock: Alle sieben Kreißsäle sind voll: „ihr müsst woanders hin“. Was blieb mir anderes übrig? Ich wollte untersucht werden, also fuhren wir nachts um 2.00 Uhr ins Krankenhaus. Ich sag’s euch: die Hebamme war super nett, aber der Kreißsaal sah aus wie bei Frankenstein. DORT wollte ich definitiv nicht entbinden. Also war es quasi Glück im Unglück, als die Hebamme mir nach der Untersuchung sagte, dass es noch nicht soweit ist.

31.1. – 40+6!

Von 0.00-4.00 Uhr hatte ich Wehen im Abstand von 20 Minuten, danach wurden die Abstände kürzer (10 Minuten). Morgens um 8.00 Uhr hatte ich meinen Frauenarzttermin.
Es gab leider keinen Fortschritt. Auch wenn auf dem CTG, das 20 Minuten geschrieben wurde, vier Wehen protokolliert wurden: der Muttermund war noch nicht tastbar.

Über den Tag verteilt wurden die Wehenabstände wieder kürzer (7-10 Minuten) aber die Schmerzen waren gleichbleibend. Abends saß mein Mann hinter mir auf der Couch und merkte, dass ich in 1-2 Minutenabständen Wehen veratmete. „Hast du gerade die ganze Zeit Wehen?“ fragte er. Ich hatte einen Wehensturm. Mir ging es nicht gut. Um 21.45 Uhr fuhren wir dann wieder ins Krankenhaus. Ich hatte vor dem Krankenhaus und beim Eingang der Frauenklinik jeweils eine Wehe, zwei mal vor dem Schreiben des CTGs, sieben Mal während des CTGs und im Arztzimmer habe ich dann aufgehört zu zählen, weil es einfach zu viel war. Die Ärztin fragte nur: „und das ist seit Montag so? Das ist ja schrecklich!“
Die Hebamme die mich untersuchte sagte mir leider wieder: „Der Muttermund ist nicht tastbar. Du hast leider eine super lange Latenzphase.“
„Toll“, dachte ich. Ich bekam drei Zäpfchen mit, die mir etwas den Schmerz nehmen sollten. Ich nahm noch vor Ort das schwächste Zäpfchen ein, verspürte allerdings keinerlei Linderung.

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1.2. 41+0!

Um 00.40 Uhr ging dann der Schleimpfropf ab und ich dachte: „Halleluja, jetzt kann es doch echt nicht mehr lange dauern oder?“ Die gesamte Nacht hatte ich starke Wehen in kurzen Abständen. Drei Stunden nach dem ersten Zäpfchen (3.00 Uhr) durfte ich das stärkste Zäpfchen einnehmen. Die Wirkung ließ etwas auf sich warten, aber immerhin blieb der „Gipfel“ aus. Ich versuche einfach mal zu erläutern, wie es sich für mich angefühlt hat. Ihr müsst euch eine Wehe wie einen Berg vorstellen. Man spürt, dass die Wehe kommt und der Schmerz steigt ca. 20 Sekunden an, bis man am Höhepunkt „dem Gipfel“ des Schmerzes angelangt – das dauert dann wieder ca. 20 Sekunden und dann flacht die Wehe wieder ab. Insgesamt dauert die Wehe ca. 60 Sekunden.

Inzwischen war schon Donnerstag und ich war wirklich erschöpft. Die Wehen kamen weiterhin regelmäßig und abends fuhren wir erneut ins Krankenhaus.

Surprise, Surprise: Muttermund IMMER NOCH NICHT tastbar!! Ich bekam wieder das stärkste Zäpfchen und wurde nach Hause geschickt.

Inzwischen war ich wirklich frustriert und verlor den Glauben an meinen Körper. Ich stand schluchzend in den Armen meines Mannes und sagte, dass mich die Ärzte einfach aufschlitzen und das Kind rausholen sollen! Dabei hatte ich mir die natürliche Geburt so sehr gewünscht.

Um 23.30 Uhr nahm ich das Zäpfchen ein,…

2.2. 41+1!

…diesmal wirkte es aber erst um 10.00 Uhr morgens, als ich mich noch ein Mal in die Wanne legte. Aus Verzweiflung riefen wir meine Hebamme an und fragten nach Rat. Sie meinte, sie könne um 11.00 Uhr kommen und versuchen, den Muttermund vorzuholen. Es war wirklich nicht angenehm, aber sie war erfolgreich und zu diesem Zeitpunkt war ich dann schon bei 2,5 cm!

Sie sagte mir, dass die Wehen jetzt regelmäßiger und stärker werden würden und ich spätestens am Abend in die Klinik sollte und mich NICHT wieder nach Hause schicken lassen sollte. Gegen Mittag waren die Schmerzen dann aber schon so extrem, dass ich ins Krankenhaus wollte. Es war schließlich auch Freitag und ich wusste nicht, wie es nach Frankfurt rein mit dem Verkehr aussehen würde.

Ich wollte einfach nicht ewig mit Wehen im Auto sitzen, da ich jedes Ruckeln als äußerst unangenehm empfand. 

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Um ca. 16.30 Uhr waren wir dann im Krankenhaus. Die Hebamme nahm mich direkt mit ins CTG Zimmer. Ich ließ das CTG zum ersten mal im Stehen schreiben, weil es im Liegen deutlich schmerzhafter war, sie zu veratmen.

Die Hebamme (sie war übrigens erst seit zwei Wochen in der Klinik angestellt!), die mich anschließend untersuchte, zog mir die Jogginghose nur bis zu den Knien, anstatt mich darum zu bitten, ein Bein aus der Hose herauszunehmen um mich anständig untersuchen zu können. Dann der größte Witz: sie meinte, sie käme „gerade so“ an den Muttermund heran. Ich gab auf diesen Kommentar nichts. Sie wollte mich wieder mit einem Zäpfchen nach Hause schicken, aber diesmal bestand ich vehement darauf, mich in den Kreißsaal zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon fünf!!! Tage nicht mehr geschlafen. Das hatte ich ihr auch ganz deutlich gesagt. Ich wollte direkt Schmerzmittel und kündigte auch direkt an, dass ich eine PDA will, weil ich die Geburt unter diesen Vorraussetzungen nicht meistern kann. Ich brauchte dringend Schlaf…

– Fortsetzung folgt –

3 Antworten

  1. Liebe Desi, vielen Dank für den bisherigen, ehrlichen Einblick in deine Schwangerschaft und auch den leider für dich sehr langen Weg zur Geburt.
    Ich kann finde es beruhigend zu lesen, wie es dir in der Schwangerschaft erging und finde mich darin an so vielen Stellen wieder. Unsere Tochter kam im Oktober letzten Jahres auf die Welt. Wir hatten zuhause auch Baustelle und ich war bis zum gesetzlichen Mutterschutz voll am arbeiten. Das war für mich alles sehr anstrengend und kräftezehrend. Mein Chef, der eigentlich immer der coolste war (also wirklich), hat mich nicht einmal gefragt wie es mir geht. Hätte ich nicht mit gerechnet aber es war ein schweres „Jahr“ für mich. Sehr schade, weil nur wenige wirklich verstehen oder verstanden haben, wie anstrengend so eine Schwangerschaft sein kann. Auch wenn ich nur sehr wenige Symptome hatte und wenig zugenommen habe, war es nicht leicht.
    Das wollte ich mal kurz los werden. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil, möchte euch noch herzlich gratulieren und wünsche euch viel Spaß mit der Kleinen. Und die täglichen Einblicke freuen mich auch immer.
    Ganz viele, liebe Grüße von der Nordsee
    Finja

  2. Wow was für ein Weg schon bis dahin. Blutungen im ersten Trimester ich erinnere mich und werde diesen Tag nie vergessen, der Schock meines Lebens Samstag morgens… am Ende war es zum Glück auch nur ein Hämatom . Wo es her kam keine Ahnung und nach 3-4 Tagen war in der nächsten Kontrolle nichts mehr zu sehen.
    Und das auf und ab deiner Wehen, echt Hut ab fürs durchhalten. Ich hatte nur eine wehenpause, auch wenn mein Mumu da schon deutlich weiter war, hat mich die schier wahnsinnig gemacht.
    Es sollte doch weiter gehen!!! Bin gespannt auf den nächsten Teil, aber egal wie hart jetzt hältst du dein Wunder in den Armen und was gibt es schöneres ❤️

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